Eine neue Beschichtung auf Stahl hält nur so lange, wie die Oberfläche darunter es zulässt. Bei Offshore-Bauwerken, Schiffen und Hafenanlagen ist der größte unsichtbare Gegner Salz: Chloride und Sulfate, die in den Rostnarben sitzen und unter der frischen Farbe weiterarbeiten. Dieser Beitrag zeigt, wie Salze gemessen werden, welche Grenzwerte üblich sind und wie Sie die Oberfläche vor dem Beschichten zuverlässig vorbereiten.
Warum Salz unter der Beschichtung zum Problem wird
Korrodierter Stahl ist nicht glatt. In den Vertiefungen der Rostnarben lagern sich Chlorid- und Sulfat-Kristalle ab, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Wird darüber beschichtet, ziehen diese Salze Feuchtigkeit durch die Beschichtung an. Es entstehen Blasen (osmotische Blasenbildung), und unter der Beschichtung setzt die Korrosion wieder ein. Die Folge: Die Beschichtung versagt oft lange vor ihrer geplanten Schutzdauer, und die Nacharbeit ist auf See oder im Dock besonders teuer.
Wie wird der Salzgehalt gemessen?
In der Praxis hat sich der Bresle-Test durchgesetzt. Eine selbstklebende Messzelle (Bresle-Patch) wird auf die Stahloberfläche geklebt und mit einer kleinen, genau abgemessenen Menge destilliertem Wasser gefüllt. Das Wasser löst die Salze von der Oberfläche. Das Verfahren ist in ISO 8502-6 beschrieben.
Anschließend wird die Leitfähigkeit der Lösung gemessen (ISO 8502-9) und in eine Flächendichte umgerechnet, meist angegeben in mg/m² als Natriumchlorid. Die Leitfähigkeitsmessung erfasst alle wasserlöslichen Salze zusammen, sie unterscheidet nicht zwischen Chloriden und Sulfaten.
Welche Grenzwerte gelten?
Einen einheitlichen gesetzlichen Grenzwert gibt es nicht. Maßgeblich ist die Spezifikation des Projekts, also die Vorgabe des Beschichtungsherstellers, des Auftraggebers oder des Regelwerks, auf das sich der Vertrag bezieht. Zwei häufig genannte Beispiele:
- NORSOK M-501 (Offshore-Anlagen, Norwegen) nennt 20 mg/m² NaCl als zulässigen Restsalzgehalt.
- IMO PSPC (Ballasttanks von Schiffen) lässt höchstens 50 mg/m² NaCl zu.
Prüfen Sie deshalb vor Beginn, welcher Wert in Ihrem Projekt gilt und wer die Messung abnimmt – in der Regel ein Korrosionsschutz-Gutachter oder Inspektor.
Warum Wasser allein oft nicht reicht
Abspülen mit Hochdruck und Süßwasser entfernt lose Salze von der Oberfläche. Die Kristalle in den Rostnarben erreicht Wasser allein aber oft nicht vollständig. Auch Strahlen löst das Problem nicht in jedem Fall: Es raut die Oberfläche auf und entfernt Rost, kann Salzreste aber auch in die neue Oberfläche einarbeiten. Häufig werden deshalb beide Verfahren kombiniert: Strahlen für die mechanische Vorbereitung und ein Salzentferner für die verbliebenen Salze.
So läuft die Salzentfernung in der Praxis ab
- Salzgehalt messen: Ausgangswert mit dem Bresle-Test bestimmen.
- Vorreinigen: Fett, Öl und losen Rost entfernen.
- Einhausen und Auffangen: Das Bauteil so einhausen, dass das Spülwasser vollständig aufgefangen wird. Auf See ist das in der Regel Pflicht.
- Salzentferner auftragen: mit Sprühlanze, Niederdruckspritze oder Schaumlanze.
- Einwirken lassen: 15 bis 30 Minuten, je nach Produkt und Verschmutzung.
- Abspülen: mit destilliertem oder vollentsalztem Wasser und Hochdruck.
- Nachmessen: Bresle-Test wiederholen; bei Bedarf einen zweiten Durchgang machen.
- Beschichten: nach Freigabe und Trocknung möglichst zeitnah, bevor sich neue Salzfilme bilden.
Aus der Praxis
Bei der Beschichtung von Monopiles für einen Offshore-Windpark galt ein zulässiger Restsalzgehalt von 20 mg/m² NaCl, gemessen nach ISO 8502-6 und ISO 8502-9. Obwohl es sich um neuen Stahl handelte und die Pfähle wie üblich mit destilliertem Wasser unter Hochdruck gewaschen wurden, wurde der Wert nicht erreicht. Der Inspektor vor Ort kannte den Salt Remover aus einem früheren Projekt und empfahl ihn – die Rückmeldung aus der Fertigung war positiv. Das Beispiel zeigt: Auch ohne sichtbare Korrosion lohnt sich die Messung, und Wasser allein reicht nicht immer.
Worauf es ankommt
- Nur destilliertes bzw. vollentsalztes Wasser verwenden. Leitungs- oder Brauchwasser enthält selbst Chloride und verfälscht das Ergebnis.
- Materialverträglichkeit prüfen. Viele Salzentferner sind sauer eingestellt. Aluminium, verzinkte Flächen und Dichtungen deshalb schützen oder vorher an einer Probestelle testen.
- Spülwasser auffangen und vorschriftsgemäß entsorgen. Auf See gelten zusätzlich die Regeln des Betreibers und des Hafens.
- Ergebnis dokumentieren. Messwerte vorher und nachher gehören in das Prüfprotokoll.
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